Endlich wieder daheim

Zehn Monate nach Anschlag von Waldkraiburg kehren Mieter in Brandhaus zurück - Probleme bleiben

„Das geht an die Nerven“, sagt Ernst Blahusch, hier in einem der Läden, die durch Brandanschlag beschädigt wurden. Während die Bewohner wieder einziehen können, wissen die Ladenbesitzer und -mieter noch nicht, wann die Renovierungsarbeiten abgeschlossen sind. Grundner
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„Das geht an die Nerven“, sagt Ernst Blahusch, hier in einem der Läden, die durch Brandanschlag beschädigt wurden. Während die Bewohner wieder einziehen können, wissen die Ladenbesitzer und -mieter noch nicht, wann die Renovierungsarbeiten abgeschlossen sind.

Zehn Monate nach dem Brandanschlag können die Bewohner am Stadtplatz 16 in Waldkraiburg wieder einziehen. Einen Haken hat das Ganze allerdings noch für sie. Und für die genervten Ladenbesitzer und -mieter im Erdgeschoss geht das Warten weiter.

Waldkraiburg– „Wir freuen uns“, sagt Helga Rittersporn. Endlich darf sie wieder in ihre Wohnung am Stadtplatz 16 einziehen – fast zehn Monate nach dem verheerenden Brandanschlag, der einen türkischen Gemüseladen vernichtet, andere Läden schwer beschädigt und viele Wohnungen im Haus unbewohnbar gemacht hatte. Die Bewohner dürfen wieder rein, abgeschlossen sind die Handwerkerarbeiten am Haus trotzdem noch immer nicht.

Rauchschäden, Brandschutz, Versicherungsfragen

Manche Eigentümer und Mieter waren bei Verwandten oder Freunden untergekommen, andere hatten Wohnungen gemietet, zum Beispiel bei der Stadtbau GmbH. Kaum einer hatte damit gerechnet, dass es so lange dauern würde, bis er wieder in den eigenen vier Wänden leben kann. Doch zuerst waren die Rauchschäden in den Wohnungen über den Läden zu beheben, dann warf der Brandschutz neue Fragen und Probleme auf und nicht zuletzt sorgten ungeklärte Versicherungsfragen für Verzögerungen.

Heinz Zaglauer (vorne) und sein Kollege Daniel Bartu bei der Arbeit an der Lüftungsanlage.

Keime im Trinkwasser

Jetzt also dürfen die Wohnungseigentümer und -mieter wieder zurück, in ein Haus, dem man schon am Bretterverschlag am Eingang ansieht, dass hier noch eine Menge Arbeit wartet.

Vor wenigen Tagen hatte sie die Hausverwaltung über die Freigabe der Wohnungen informiert. Einen Haken hat das Ganze noch. Das Trinkwasser ist noch immer nicht keimfrei. Aus diesem Grund war die ursprünglich schon vor Weihnachten geplante Übergabe der Wohnungen damals noch einmal verschoben worden. Weil das Haus so lange nicht bewohnt war, hatten sich Bakterien in den Leitungen festgesetzt.

Jetzt habe das Gesundheitsamt den Einzug genehmigt, sagt Hausverwalter Jürgen Abrahamfi. Unter Auflagen. Zum Trinken muss das Wasser abgekocht werden, zum Geschirrspülen und Waschen dürfe es verwendet werden, zum Zähneputzen und Duschen besser nicht. An den Problemen werde gearbeitet.

Stark kontaminierte Zahnarztpraxis

Für die Bewohner des Hauses geht damit eine lange Hängepartie zu Ende, und für manche Nutzer ist sie noch immer nicht vorbei. So hat sich etwa die Sanierung der Zahnarztpraxis im ersten Stock verzögert. Sie war durch den Rauch besonders stark kontaminiert. Voraussichtlich im März soll der Umbau abgeschlossen sein, so die Ansage auf dem Anrufbeantworter der Praxis.

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Andrea Mooshammer könnte mit ihrer Steuerkanzlei die Büros wieder beziehen, will aber „abwarten, „bis alles komplett fertig renoviert ist. Vorher will ich das meinen Mandanten nicht zumuten“, sagt sie. Die Eingangselemente sind noch einzubauen und eine neue Klingelanlage, das Treppenhaus braucht einen neuen Anstrich. Das alles werde wohl erst im April so weit sein, fürchtet sie.

Bei den Läden dauert

Wann die Läden im Erdgeschoss wieder in Ordnung sind, das wüsste Ernst Blahusch nur zu gerne. Der Waldkraiburger besitzt ebenfalls eine Wohnung in dem Gebäude, seinem Sohn gehören zwei Ladenlokale am Sartrouville-Platz, erzählt er.

In dem einen wurden in der verhängnisvollen Aprilnacht 2020 die Brandbomben gezündet. Der Mieter des Obst- und Gemüseladens, der seine Waren derzeit aus einem Container in der Berliner Straße verkauft, will wieder zurück.

Das hat laut Blahusch auch der zweite Mieter vor. Dessen türkische Bäckerei war komplett eingerichtet, stand unmittelbar vor der Eröffnung, als der Anschlag dazwischen kam. „Unser Mieter hat fast ein ganzes Jahr verloren“, schüttelt er den Kopf.

Die Schaufensterlemente für die Läden seien eingetroffen, sagt Hausverwalter Abrahamfi. Wann sie auch eingebaut sind, steht noch fest. Wie so vieles andere. Ernst Blahusch ist stocksauer, dass es so langsam vorangeht. „Mal sind Handwerker da, mal nicht.“ Noch immer seien viele Versicherungsfragen ungeklärt, sagt er, liegen Hauseigentümer und Versicherung im Clinch über die Verteilung der Kosten. „Das geht an die Nerven.“

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