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Tragischer Bergunfall am Watzmann: Leiterin des Kriseninterventionsteams berichtet

„Nach Feststellung der Identität habe ich sofort seine Mutter angerufen“

Die Leiche des 21. Jährigen wurde auf rund 2600 Meter Höhe gefunden.
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Die Leiche des 21-Jährigen wurde auf rund 2600 Meter Höhe gefunden.

Am Samstag gab es die traurige Gewissheit für die Angehörigen eines 21-jährigen: Der junge Mann war im Oktober des vergangenen Jahres am Watzmann tödlich verunglückt. Im Gespräch mit BGLand24.de berichtet die Leiterin des „KIT Berg“ der Bergwacht-Region Chiemgau, wie umfangreich Angehörige und Freunde aber auch die eingesetzten Suchmannschaften durch das Geschehen belastet und daher umfangreich betreut wurden.

Ramsau bei Berchtesgaden - „Nach Feststellung der Identität habe ich sofort seine Mutter angerufen“, erinnert sich Eva Partholl, Leiterin des „KIT Berg“ der Bergwacht-Region Chiemgau gegenüber BGLand24.de. „Sie hat fast acht Monate darauf warten müssen zu erfahren, was mit ihrem Sohn passiert ist.“

21-jähriger Trailrunner monatelang am Watzmann vermisst - Er kam wohl durch tragischen Unfall ums Leben

Seit über acht Monaten galt ein junger Mann als vermisst. Der damals 21-jährige Trailrunner war am Freitag, den 9. Oktober 2020 nicht von seiner Tour in den Bergen zurückgekehrt. Über Wochen hinweg hatten Suchmannschaften danach vergeblich nach ihm gesucht. Wegen des vielen Neuschnees und der oft dichten Bewölkung hatten sie keine Chance, ihn zu finden. Am Nachmittag des 12. Juni fand schließlich ein Bergsteiger eine regungslose Person in der Kleinen Ostwand und alarmierte die Behörden. Vor Ort konnte nur mehr festgestellt werden, dass die Person sicher tot war. Mitglieder der Bergwacht Ramsau und Beamte der Alpinen Einsatzgruppe der Polizei bargen den Leichnam. Ein Polizeihubschrauber flog ihn, wie auch die Helfer, ins Tal.

Eva Partholl, Leiterin des „KIT Berg“ der Bergwacht-Region Chiemgau

Die Vermutung, dass es sich bei dem Toten um den seit langem vermissten Trailrunner handelt, bestätigten sich bei den Ermittlungen der Kriminalpolizei Traunstein und den rechtsmedizinischen Untersuchungen, wie die Polizei am Dienstag mitteilte. Hinweise auf ein Fremdverschulden ergaben die bisherigen Untersuchungen der Kripo nicht. Alles deutet darauf hin, dass der junge Mann bei einem tragischen Unfall ums Leben kam.

Suche mit großem Aufgebot

Der Vermisste war allein von München aus angereist, um den Watzmann zu besteigen. Am Tag seines Verschwindens hatte er um 13.30 Uhr noch seiner Mutter geschrieben, dass er nun aufbreche. Während der Fahrt soll er auch noch mit seinem Vater telefoniert haben und ihm erklärt haben, dass er den Watzmann nicht auf dem „Normalweg“ sondern „anders“ besteigen wolle. „Die Benachrichtigung kam um 9.40 Uhr am Sonntag, den 11. Oktober. Das Meldebild war: ‚Vermisstensuche‘. Zu betreuen waren die Eltern und der Bruder des Vermissten. Zu seiner Großmutter wurde außerdem ein Kriseninterventionsteam  (KIT) geschickt“, berichtet Eva Partholl vom Kriseninterventionsteam Berg weiter.

Rund 30 Einsatzkräfte der Bergwachten Ramsau und Berchtesgaden, des Technikbusses der Bergwacht-Region Chiemgau und der BRK-Wasserwacht Berchtesgaden suchten ,auf Anforderung der Polizei, den Sonntag über das Watzmann-Gebiet zu Fuß, mit einer Drohne und mit Ferngläsern ab, wobei Nebel, Schneefall und stellenweise hüfthoher Schnee die Suche erheblich erschwerten. Sie kontrollierten die Almen und Schutzhütten und mehrere Gipfel- und Wandbücher, fanden aber keine konkreten Hinweise auf den Vermissten.

Einsatz der Bergwacht am am 12. Juni

Einsatz der Bergwacht am am 12. Juni
Einsatz der Bergwacht am am 12. Juni © BRK KV Berchtesgadener Land
Einsatz der Bergwacht am am 12. Juni
Einsatz der Bergwacht am am 12. Juni © BRK KV Berchtesgadener Land
Einsatz der Bergwacht am am 12. Juni
Einsatz der Bergwacht am am 12. Juni © BRK KV Berchtesgadener Land
Einsatz der Bergwacht am am 12. Juni
Einsatz der Bergwacht am am 12. Juni © BRK KV Berchtesgadener Land
Einsatz der Bergwacht am am 12. Juni
Einsatz der Bergwacht am am 12. Juni © BRK KV Berchtesgadener Land
Einsatz der Bergwacht am am 12. Juni
Einsatz der Bergwacht am am 12. Juni © BRK KV Berchtesgadener Land

„Die Kameraden haben die alle abgesucht. Es bestand die Hoffnung, dass er sich in einem der Gipfelbücher verewigt hatte und wir so einen Hinweis bekommen würden, wo wir konkret suchen mussten. Seine Eltern hatten berichtet, dass er sich da immer gerne sofort eintrug“, erläutert Partholl. Nachdem das Wetter sich besserte wurde der Standort der Bücher mit dem Hubschrauber angeflogen. „An den Gipfeln mussten wir die Bücher ausgraben, da so viel Schnee gefallen war.“

Ende der Suche belastend für Angehörige

Doch gegen 16 Uhr am Nachmittag muss die Suche witterungsbedingt abgebrochen werden. Sie wird am Tag darauf fortgesetzt, immer wieder rücken in den kommenden Tagen die Bergretter aus. „Die Eltern und sein Bruder kamen inzwischen nach Ramsau, um vor Ort zu sein.“ Die ständige Hoffnung sei gewesen, dass der Vermisste vielleicht irgendwo Unterschlupf gefunden hatte. Die Suchenden ziehen alle Register: Sowohl die Polizeihubschrauber aus Bayern unterstützen sie, als auch ein Helikopter der Österreichischen Flugpolizei. Letzterer ist mit einem sogenannten „Recco-SAR-Suchsystem“ ausgestattet, das unter der Maschine montiert ist und eine Ortung spezieller Rettungs-Reflektoren ermöglicht. Auch die Wasserwacht hilft bei der Suche, durch die Beförderung von Einsatzkräften und die Absuche vom Wasser aus.

Die Einsatzkräfte suchten mit Hilfe des Hubschraubers „Edelweiß 7“ nach dem Vermissten am Watzmann.

„Als die Suche bereits zwei Tage lief, meldeten sich Freunde des Vermissten, die das Geschehen sehr mitnahm. Auch für sie wurde dann eine Betreuung organisiert“, erinnert sich Partholl. „Die Eltern des Vermissten haben sich teilweise täglich gemeldet. Verständlicherweise wollten sie ständig auf dem Laufenden gehalten werden, wann wieder gesucht wird, ob es schon etwas Neues gibt.“ Doch die Suche Ende 2020 muss schließlich wegen der Witterungsbedingungen eingestellt werden. „Das ist natürlich sehr belastend für die Angehörigen aber auch für die Bergwacht.“

Belastung auch für Suchmannschaften

Dann, am 12. Juni gibt es schließlich die traurige Gewissheit, als der leblose Körper des jungen Mannes gefunden wird. „Wie gesagt habe ich, sobald die Identität festgestellt war, die Mutter verständigt. Wir haben dann besprochen, wie es nun weitergeht.“ Die Angehörigen wollten so bald, wie möglich vor Ort erscheinen, um sich zu verabschieden. „Es galt allerdings, auf sensible Weise, die gesetzlichen Vorschriften zu beachten. Da die Kriminalpolizei ermittelte, konnte der Leichnam nicht gleich freigegeben werden, da er noch gerichtsmedizinisch untersucht werden musste.“

Die Nachricht vom Tod des jungen Mannes habe auch bei den eingesetzten Suchmannschaften von Rettungskräften und Alpinpolizei einiges ausgelöst. „Sie waren im dichtesten Schneegestöber unterwegs, haben teilweise ihr eigenes Leben riskiert um seines zu retten“, gibt Partholl zu bedenken. „Auch der Arzt, welcher die Leichenschau durchführte, hatte beispielsweise Gesprächsbedarf. Jeder hat Redebedarf, das ist ein weites Feld.“ Im Juli werde es einen Gedenkgottesdienst im kleinsten Kreis geben. „Dazu werden vielleicht auch die Angehörigen anreisen.“

Wir sind in Gedanken bei der Familie des Verstorbenen und wünschen ihr in diesen schweren Stunden viel Kraft!

hs

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