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Schädlingsbekämpfung aus der Luft

Stechmückenplage am Chiemsee: Bekämpfung nicht genehmigt

Ein Huberschrauber bei der Stechmückenbekämpfung im Einsatz.
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Ein Huberschrauber bei der Stechmückenbekämpfung im Einsatz.

Sollte es Hochwasser geben, könnte eine Stechmückenplage folgen. Momentan liegt keine Genehmigung von der Regierung von Oberbayern zur Bekämpfung vor. Auf die wartet der Abwasser- und Umweltverband (AUV) Chiemsee seit mehr als elf Monaten.

Prien/Chiemsee – Das berichtete Geschäftsführer Quirin Schaiger in der Verbandsversammlung vor kurzem im Vereinshaus Atzing. Verbandsvorsitzender und Bürgermeister der Gemeinde Rimsting, Andreas Fenzl (CSU), erklärte, dass die Genehmigung für die Stechmückenbekämpfung mit Ende 2020 abgelaufen sei. Der AUV koordiniert die Einsätze für die Chiemseegemeinden, die im Grunde alle das gleiche Problem haben.

Auf Nachfrage der OVB-Heimatzeitungen betont Fenzl: „Das ist kein Mittel, das wir jedes Jahr einsetzen möchten. Ich weiß, dass es dazu gegenteilige Meinungen in der Bevölkerung gibt. Wichtig ist nur zu wissen, dass man bei einer Hochwassersituation die Möglichkeit hat.“

Vergangenes Jahr sei nach dem Hochwasser im August geflogen worden, der vorherige Einsatz war im Jahr 2015. „Für uns ist das ein wichtiges Instrument“, so Fenzl weiter. In den Sommermonaten könne in der hiesigen Urlaubsregion eine Stechmückenplage fatale Auswirkungen haben.

„Ohne Genehmigung leiten wir keine Maßnahmen ein“

So sieht eine Mückenpopulation aus.

AUV-Geschäftsführer Schwaiger macht auf Nachfrage deutlich: „Ohne Genehmigung dürfen, können und werden wir die Maßnahmen zur Bekämpfung nicht einleiten.“ Hochwasser träten erfahrungsgemäß um Pfingsten oder dann Ende Juli, Anfang August ein. „Sollte in den nächsten Wochen ein Starkregenereignis den Wasserspiegel über die Ufer heben, sind die Brutplätze für die Stechmücken entsprechend.“ Bekämpft werde nur, wo Brutplätze sind. Werde dies notwendig, so geschehe dies gezielt gegen Stechmücken und nicht gegen jegliche Insekten. Die beauftragte Firma Icybac sei deutschlandweit im Einsatz und achteten auf Umweltschutz. Die Ausbringung erfolge nur in den erforschten Brutstätten und nur, wenn dies die Hochwasserlage notwendig mache.

Seeon-Seebruck aus Kooperation ausgestiegen

Wie unterschiedlich die Meinungen zu dem Thema sind, zeigt sich sogar innerhalb der Mitgliedsgemeinden des Verbands. Der Seeon-Seebrucker Gemeinderat beschloss vor dem Hintergrund des Artenschutz-Volksbegehrens „Rettet die Bienen“ im April 2019 mit 9:6 Stimmen, keine Stechmücken mehr bekämpfen zu wollen und aus der Stechmücken-Kooperation mit den anderen Chiemseegemeinden auszusteigen.

Bürgermeister Martin Bartlweber (FWS) erklärt auf Anfrage die Gründe für die Entscheidung, nämlich den Erhalt der Stechmücke als Lebewesen und Teil der Nahrungskette sowie das gestiegene Insektensterben der vergangenen Jahre. Bartlweber betont: „Wir haben eine Verantwortung für den Erhalt unserer Natur und sollten massive Eingriffe in unser sensible Ökosystem vermeiden, wo es geht.“

Er verstehe aber auch die Befürchtung der Tourismusbetriebe, dass ein starkes Mückenaufkommen Besucher abhalten könnte: „Wir werden die Folgen des Ausstiegs aus der Mückenbekämpfung natürlich weiter beobachten.“

Nachbargemeinden nicht begeistert

Weitere Gemeinden sind laut Schwaiger bisher nicht aus der Kooperation zur gemeinsamen Stechmückenbekämpfung ausgestiegen. Er macht aber auch keinen Hehl daraus, dass die Nachbargemeinden über die Seeon-Seebrucker Entscheidung „alles andere als begeistert“ gewesen seien. Stechmücken flögen bis zu zwei Kilometer weit.

Sorgfältige Prüfung kostet viel Zeit

Im Falle eines Hochwassers könnte am Chiemsee mangels Genehmigung momentan sowieso nirgends zur Stechmückenbekämpfung ausgerückt werden. Die Pressestelle der Regierung von Oberbayern nennt auf Anfrage auch keinen konkreten Zeitpunkt, bis wann mit einer Entscheidung zu rechnen ist. Nur soviel: Die Entscheidung zum neuerlichen Einsatz von B.t.i. am Chiemsee und im Naturschutzgebiet „Mündung der Tiroler Achen“ stünde kurz vor dem Abschluss. Warum es so lange dauert? Fachliche und rechtliche Belange des Naturschutz sowie Belange der Bevölkerung würden sorgfältig abgewogen und anerkannte Naturschutzverbände beteiligt.

So wirkt B.t.i.:

B.t.i. steht für bacillus thuringiensis israelensis. Das ist laut AUV-Geschäftsführer Quirin Schwaiger ein Mittel, das zur biologischen Schädlingsbekämpfung eingesetzt wird. Es produziere Proteine, die spezifisch auf verschiedene Insektenarten giftig wirkten, die bei anderen Tier- und Insektenarten, Pflanzen und Menschen aber wirkungslos seien beziehungsweise sich nicht negativ auswirkten.

Genehmigung im Naturschutzgebiet erforderlich:

Die Regierung von Oberbayern erklärt auf Anfrage: „B.t.i.-Präparate sind frei erhältlich und können grundsätzlich ohne Genehmigung eingesetzt werden.“ Verboten sei allerdings das Einbringen in Gewässer: „Da dort in der Regel genügend Fressfeinde der Stechmückenlarven leben, ist dort keine zusätzliche Bekämpfung erforderlich.“ Die Einbringung von B.t.i.-Präparaten in Naturschutzgebieten bedürfe dagegen einer naturschutzrechtlichen Befreiung. Am Chiemsee betreffe dies unter anderem das Naturschutzgebiet „Mündung der Tiroler Achen“. Befreiungen seien nur unter engen gesetzlichen Voraussetzungen möglich.

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