Familienbetrieb aus Bischofswiesen

Keine Aufbackware sondern echtes Brot: Bäcker-Brüder jetzt auch in Freilassing

Bäcker-Brüder Neumeier Freilassing
+
Franz Xaver Neumeier als Sohn einer der beiden Bäcker-Brüder ist zufrieden mit dem Start in Freilassing, „das Geschäft läuft sehr gut“. 

Freilassing/Bischofswiesen - Industriell produziertes Brot und Gebäck wird mittlerweile nicht nur in jedem Diskonter aufgebacken, sondern auch in Tankstellen und natürlich zuhause im Ofen. Das echte Back-Handwerk hat jetzt in Freilassing Unterstützung bekommen, von Franz und Alfons Neumeier, besser bekannt als die „Bäcker-Brüder“.

Franz und Alfons Neumeier haben Ende Oktober ihre insgesamt sechste Filiale in der Grenzstadt eröffnet und sind begeistert, „das Geschäft läuft sehr gut, der Standort wird sehr gut angenommen“, freut sich Franz Xaver Neumeier, der Sohn von Franz Neumeier. Insgesamt zehn Bäcker versorgen vom Stangenwald in Bischofswiesen aus nun auch die 17.000-Einwohner-Stadt Freilassing mit frischem Brot und Gebäck.

Fast am zentralsten Ort von Freilassing, dem Kreisverkehr Münchener Straße/Vinzentiusstraße in unmittelbarer Nachbarschaft zur Kirche und zum Rathaus, haben die Bäcker-Brüder ihre neueste Filiale eröffnet, mit Bio-Broten und Bio-Kaffee wollen sie sich vor allem von den industriell gefertigten Semmeln in den Diskontern absetzen. Dass die beiden Brüder mit ihrem Gebäck den weiten Weg von Bischofswiesen nach Freilassing gefunden haben ist kein Zufall, „wir sind immer auf der Suche nach neuen Standorten, und der Platz hier in Freilassing ist einfach ideal“, so Franz Xaver Neumeier. Nach eigenen Geschäften in Bischofswiesen und Berchtesgaden, sowie Shops im Rewe Piding und Schönau ist Freilassing der sechste Standort, „wir fahren ja bisher schon nach Piding, von dort aus ist es nicht mehr wirklich weit nach Freilassing“.

Bauchgefühl für Freilassing

Gewagt ist eine Geschäftseröffnung in Corona-Zeiten allemal, das Markt-Café der Brüder in Berchtesgaden lebt zum Beispiel zu einem Großteil von Touristen, „dort haben wir derzeit Umsatzeinbußen von bis zu 50 Prozent“, so Franz Xaver Neumeier. Auch der neue Standort in Freilassing ist ein gewisses Risiko, „aber nachdem eine weitere Filiale im Talkessel eher schwierig ist haben wir uns eben außerhalb umgesehen“. Der Standort für die neue Filiale sei ideal, „wir haben den ganzen Tag Sonne, sieben Parkplätze vor dem Haus und im Sommer eine große Terrasse für unser Café“, schwärmt der Bäcker-Sohn geradezu. Große Potentialanalysen hätten die Brüder vor der Entscheidung für Freilassing nicht erstellen lassen, „es war eine Bauchentscheidung“.

Das Gefühl scheint den Bäcker-Brüdern Recht zu geben, Brot, Brezen, Plunder und Cremeschnitten gehen weg „wie die warmen Semmeln“. Den Bio-Kaffee gibt’s vorerst nur „to go“, die 40 Sitzplätze im Café müssen wegen der Pandemie und des Lockdowns geschlossen bleiben. Was im Gegensatz zu vielen anderen Bäckereien bei den Brüdern fehlt ist ein Kühlschrank mit Milch, Joghurt, Wurst und Käse, „das wollen wir absichtlich nicht, wir konzentrieren uns auf unser Kerngeschäft, und das ist Brotbacken“.

Brot kommt frisch nach Freilassing

Aber sind die Backwaren wirklich noch frisch nach 40 Minuten Fahrzeit vom Stangenwald an der Grenze zu Schönau am Königssee nach Freilassing? „Ja“, versichert Neumeier, „das hat auch mit unseren sehr langen Teig-Ruhezeiten zu tun, der Teig ruht gekühlt bis zu 24 Stunden vor der weiteren Verarbeitung“. Außerdem backe man ohne Fertigmischungen und verwende nur regionale Produkte, „also zum Beispiel das Mehl aus dem Chiemgau oder Alpensole aus Bad Reichenhall“. Bis zu 1000 Brote und bis zu 8000 Semmeln und Brezen verlassen in normalen Zeiten täglich die Backstube, derzeit sind es weniger weil Hotels und Gastwirte als große Abnehmer fehlen.

Zehn Bäcker, davon zwei Lehrlinge, rühren jetzt im Stangenwald auch die Teige für Freilassing, im Shop an der Münchener Straße, Ecke Vinzentiusstraße haben die Neumeiers sechs neue Arbeitsplätze geschaffen, „wir haben hier überraschend sehr schnell sehr gute Mitarbeiterinnen gefunden“. Corona bedingt gab es kein Eröffnungsfest, „aber wenn wir das Café aufsperren dürfen ist das für uns die zweite Eröffnung“, und weitere Standorte sind nicht ausgeschlossen, „wir wollen ein gesundes, stetiges Wachstum, wir müssen ja auch unsere Kosten decken“.

Anmerkung der Redaktion: Das Interview zu diesem Artikel wurde bereits am Montag, 16.11.2020 geführt, der Artikel selbst wurde dann am Dienstagnachmittag, 17.11.2020 Online gestellt. Am Abend des 17.11.2020 kam es in Freilassing zu einem Großbrand in einem Wohnhaus in der Jahnstraße, bei dem auch ein Bäckerbetrieb in Mitleidenschaft gezogen wurde. Aus diesem Grund erschien dem Autor ein Artikel über einen neuen Bäcker “der Freilassing aufmischen will” zu diesem Zeitpunkt unpassend, auch wenn natürlich kein Zusammenhang besteht. Die Redaktion hat den Artikel daher auf Wunsch des Autors für einige Tage offline gestellt und stellt ihn nun, leicht umgeschrieben, wieder online.

Kommentare