Eindrücke von vor Ort

Österreichische Gemeinde Kuchl unter Quarantäne - Niemand darf mehr rein, niemand raus

Einfahrt nach Kuchl
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Die Abfahrten von der Tauernautobahn nach Kuchl sind ebenfalls 14 Tage gesperrt, eine Auffahrt wird von der Polizei kontrolliert.

Kuchl (Salzburger Land) - Seit Samstag, 0 Uhr, ist die Tennengauer Gemeinde Kuchl mit ihren 7300 Einwohnern unter Quarantäne, niemand darf mehr rein, niemand raus. Alle Zufahrtsstraßen bis auf vier Kontrollstellen sind abgesperrt, die vier Stellen werden von der Polizei kontrolliert. Eine lückenlose Abriegelung wie im Frühjahr in Ischgl oder im Salzburger Gasteiner Tal ist allerdings nicht möglich da die mitten durch den Ort verlaufende Bundesstraße nicht gesperrt werden darf. Auch die S-Bahn hält nach wie vor in Kuchl, die Polizei kontrolliert Fahrgäste  hier nur sporadisch.

Samstagvormittag an der Bundesstraße bei Tauglmauth von Hallein kommend, da wo üblicherweise am Samstag viele Kuchler in die Bezirkshauptstadt Hallein fahren, gähnende Leere. Drei Polizistinnen und ein Polizeiwagen bilden die Ein- und Ausfahrtssperre. Fahrzeuge ohne Halleiner-Kennzeichen dürfen nach einer kurzen Kontrolle passieren, „sie müssen aber durch Kuchl durchfahren, nicht stehenbleiben und nicht verweilen“ so eine Beamtin eindringlich zu den Lenkern.


Fahrzeuge mit Kennzeichen des Bezirks Hallein haben es schon schwerer, sie müssen zum Ein- oder Ausfahren einen triftigen Grund vorweisen oder eine Bestätigung, dass sie zum Beispiel eine Schlüsselarbeitskraft sind, also Ärzte, Pfleger oder zum Beispiel Lehrer, um in die Gemeinde Kuchl einfahren zu dürfen. Einige müssen umdrehen, so auch ein Unternehmer, der seine Wirtschaft „dicht machen“ wollte aber kein Kuchler ist.

Österreichische Gemeinde Kuchl unter Quarantäne

Kuchl
Die Abfahrten von der Tauernautobahn nach Kuchl sind ebenfalls 14 Tage gesperrt, eine Auffahrt wird von der Polizei kontrolliert. © hud
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Problematisch ist die Quarantäne weil die Bundesstraße mitten durch den Ort führt und nicht gesperrt wurde. © hud
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Eindrücke aus Kuchl. © hud
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Eindrücke aus Kuchl. © hud
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Eindrücke aus Kuchl. © hud

Bürgermeister Thomas Freylinger meint, die Kuchler würden die Quarantäne akzeptieren und hoffen, dass die hohen Infektionszahlen dadurch rasch wieder sinken. Am Samstagvormittag waren 100 Kuchler positiv getestet, bei 7300 Einwohnern ein extrem hoher Wert, darum auch die Aussage des Landeshauptmannes, in Kuchl würde die Situation „aus dem Ruder laufen“.

Bei der Frage, wer eigentlich in den Ort darf, geht die Verordnung des Landeshauptmannes sehr restriktiv vor, eine Autohändlerin, die für ihre Kunden 800 Winterreifen eingelagert hat und diese in den nächsten zwei Wochen montieren wollte hat Pech, ihre Nicht-Kuchler Mitarbeiter dürfen seit Samstag nicht mehr in den Betrieb, Kunden außerhalb Kuchls ohnehin nicht.

Die Polizei sieht seit Mitternacht keine besonderen Vorkommnisse, „einige Deutsche und Italiener waren am Morgen an einer Kontrollstelle um sich das ganze anzusehen“, so ein Polizeisprecher, ansonsten sei die Verordnung klar, „Durchfahren erlaubt, Stehenbleiben eben nicht“. Noch nicht ganz geklärt ist die Situation am Bahnhof in Kuchl, am Wochenende bleiben die S-Bahnen von Salzburg und Schwarzach kommend noch in Kuchl stehen, Fahrgäste werden sporadisch kontrolliert. Ob dies auch ab Montag so bleibt ist noch ungewiss.

Im Ort selbst ist es gegen Mittag schon sehr ruhig, es gilt eine Ausgangsbeschränkung wie im Frühjahr für ganz Österreich, also das aus dem Haus gehen ist nur erlaubt zum Einkaufen oder zum Spazieren gehen, die Gastronomie ist geschlossen. Im übrigen Bundesland gilt seit Samstag eine Registrierungspflicht im Gastgewerbe, wenn ein Wirt dies nicht will muss er seinen Betrieb schließen.

Die Zahlen für den Tennengau und das ganze Land Salzburg steigen indes weiter, so meldet das Land Salzburg am Samstagmorgen alleine für den Tennengau (rund 60.000 Einwohner) genau 314 Aktiv Infizierte Personen, im ganzen Bundesland sind es 1060 Fälle, 38 davon sind in einer Klinik, fünf in einer Intensivstation. Die Österreichische Gesundheitsagentur AGES weist  am Samstag, 14 Uhr, offiziell einen 7-Tages-Richtwert für das Land Salzburg von knapp 140 aus, für den Tennengau steigt der Wert weiter auf 467.

hud

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